Es sind geflügelte Ameisen aus der Wand gekommen. Zwei große Flecken an der Scheibe, dieim Licht hängen. Die Ameisen morsen. Mit den Fühlern. Das habe ich im Fernsehen gelernt. In diesem Dichterhaus soll man sagen: Sie morsen sich Gedichte zu, die sich nicht reimen. Bei den Ameisen ist nichts rhythmisch, eher freischwebend. Die Spinne im Fensterwinkel ist jetzt sehr beschäftigt, ich sehe ihr zu und freue mich aufrichtig mit ihr. Sie wickelt, hält frisch, bringt in Löcher. Das Netz hängt in Fetzen, sie hortet. Wann kann eine Spinne schon einmal vorsorglich sein? Unter ihem Haus liegen die eingepuppten, leergesogenen Ameisenpuppen. Der Hausmeister denkt, es sei Mäusedreck. “Nein, Spinnenspeisereste”, sage ich. Er bringt eine Spraydose Gift. “Wie ärgerlich. Geflügelte Ameisen. Beim Nachbarn haben sie sich richtig ein Loch durchgebohrt”, sagt er und sticht mit dem Zeigefinger in die Luft. In der anderen Wand wohnt die Ratte, ich verrate es ihm nicht. Der Hausmeister sprüht auf die Scheibe und die Ameisenflecken stürzen sofort ab. Mir tut es leid. Ich könnte mir sagen: Auch die Spinne setzt Gift ein, selbst die Ameisen arbeiten mit Gift. Ein Gifthalbkreis. Der Hausmeister kehrt die Ameisen mit der Hand wie mit einem Besen als Mäusedreck von der Fensterbank.

Im Garten tippen Mückenschwärme mit feinen Beinen in mein Gesicht. Wie Nieselregen. Es wird dunkel. Die Nacht kommt. Grün wird zu blau. Dagegen kann auch der Hausmeister nichts tun.